Vor einigen Tagen ließ ein CDU-Politiker mit einer Idee für die Schulen aufhorchen. Das ist mein Thema und so war ich neugierig auf das, was hinter dem Vorchlag des Herrn Linnemann steckt. Er weiß scheinbar, welche Probleme die Grundschulen heute haben:

Es sind Kinder mit Migrationshintergrund, die mit mangelhaften oder völlig fehlenden Deutschkenntnisse eingeschult werden. die deshalb die Lehrkräfte übermäßig belasten und damit den Lernfortschritt der anderen Kinder aufhalten. Dafür hat Herr Linnemann einen verlockend einfachen Lösungsvorschlag. Man solle diese Kinder gar nicht erst in die Grundschule aufnehmen. Stattdessen sollen sie erst in eine verpflichtende Vorschule, in der sie die deutsche Sprache lernen sollen. 

Und da dürfte wohl jedem, der sich in Bildungsfragen auskennt, klar sein, dass Herr Linnemann kein Bildungsexperte ist und sich auch nicht von Fachleuten beraten ließ, bevor er so sommerlochgünstig vors Mikrophon trat.

Es ist wissenschaftlich belegt, dass Kinder viel schneller eine fremde Sprache, in dem Fall die deutsche Sprache, erlernen, wenn sie in einem ‚Sprachbad‘ lernen. Das heißt, dass Kinder intuitiv durch Nachahmung lernen, viele Wörter und Redewendungen zunächst passiv aufnehmen. Sie lernen zu verstehen. Erst wenn sich die Kinder sicher fühlen, beginnen sie in einer zweiten Phase aktiv zu sprechen. Und Kinder lernen nun einmal am besten spielerisch, von und mit Gleichaltrigen im täglichen Umgang, wie zum Beispiel – genau, in der Grundschule. 

Das eigentlich Perfide an der Linnemannschen „Lösung“ ist aber, dass damit den Kindern die Verantwortung für ihre Sprachdefizite in die Schuhe geschoben wird. Dabei ist doch die CDU, der Linnemann angehört, seit gefühlten Ewigkeiten in der Regierungsverantwortung und hätte es im Bund und in den Ländern durchaus in der Hand gehabt, Strukturen zu schaffen, die schnellen Erwerb deutscher Sprachkenntnisse möglich machen. Dieses klägliche Versagen der Politik seiner Partei verschweigt Herr Linnemann jedoch. Stattdessen greift er tief in den populistischen Giftschrank, stellt Kinder als „Problemfälle“ hin und will deren Bildungskarriere gleich mit einer Zurücksetzung beginnen – mit dem deutlichen Signal: „Ihr gehört nicht dazu!“ 

Natürlich lohnt es nicht, noch länger über einen derart untauglichen Vorschlag zu reden. Ich möchte lieber eine ganz andere Debatte führen. Ich möchte, dass wir ernsthaft über gerechte Chancen sprechen. Ich möchte, dass wir Wege finden, in Bildung zu investieren, damit unsere Kitas, Schulen und Universitäten anständig finanziert und ausgestattet sind. Ich möchte, dass wir ein Bildungssystem haben, das unseren Kindern keine Steine in den Weg legt, sondern ihnen allen die Chance gibt, ihre Zukunft selbstbestimmt und erfolgreich zu gestalten. Unser Land hat die Mittel, all das möglich zu machen. Es liegt an uns, das nun auch zu tun. Ich meine, die Zukunft unserer Kinder sollte uns doch so viel wert sein.