Porsche, Paletten, und der Weihnachtsmann

Was macht der Weihnachtsmann im Sommer?

Das war einer überregionalen Zeitung schon eine Schlagzeile wert im letzten Dezember: „Mein Schlitten ist der Schnellste“ hieß es da über Jens Zaunick, der in einem Porsche Carrera 911 4S als Weihnachtsmann der Reserve durchs Lossatal donnerte. Nun, wer die Modellpalette der Firma Porsche kennt, wird wissen, dass das Ladevolumen dieses Modells mit 132 Litern eher mager ist, und selbst wenn man die Rücksitze umklappt, bekommt man nur 264 Liter Laderaum geboten. Da dürfte das Bescherungwohl eher mager gewesen sein. Vielleicht hätte der Aushilfsweihnachtsmann doch besser einen VW Golf gewählt, da passen nämlich bis zu 1.350 Liter Gepäck hinein. Aber was sind schon Geschenke wert, wenn bedürftige Kinder stattdessen einen Blick auf ein so prächtiges Fahrzeug werfen können und mit dem Leuchten ihrer Augen den edlen Spender belohnen. So ein Auto für 130.000 € sieht man schließlich nicht alle Tage.

Aber auch sonst ist Herr Zaunick ja beseelt von gesellschaftlichem Engagement und kandidiert deshalb nun im Sommer 2019 für den Sächsischen Landtag. Da darf der interessierte Bürger Herrn Zaunick jetzt vier Minuten lang im „mdr-Kandidatencheck“ bewundern. Wenn man dann die erste Hälfte des Interviews hinter sich gebracht hat, in dem der Kandidat ausführlich erklärt, dass er die gestellten Fragen gar nicht beantworten will und sowieso alles in unserem Land schlecht ist und niemand Verantwortung übernimmt, kommt dann doch noch eine Stelle, mit der Herr Zaunick mich zum Aufhorchen bringen konnte.

Herr Zaunick erzählt da von seiner Nachbarin, die mit 700 € Rente auskommen und deshalb im Winter überlegen muss, ob sie ihr Geld für Strom oder Kohlen ausgibt. Und tatsächlich konnte er im letzten Winter die ältere Dame beim Zersägen von alten Europaletten sehen, damit sie „‘ne warme Bude hat“. Das ist, da gebe ich Herrn Zaunick recht, in der Tat katastrophal.

Vielleicht hätte Herr Zaunick, der ja ohnehin immer in „Arbeitsklamotten“ ist, der Dame spontan und tatkräftig zur Seite springen können, statt sie nur beim Sägen zu beobachten. Ich persönlich stehe ja auf dem Standpunkt, dass man sich über Missstände nicht nur am Stammtisch ereifern sollte, sondern auch aktiv etwas dagegen unternehmen muss. Deswegen möchte ich gerne die Verantwortung übernehmen und der Seniorin anbieten, ihr die Kohlen für den nächsten Winter zu bezahlen. Und wie es meine Art ist, möchte ich das auch ganz praktisch tun und die Dame alsbald besuchen und mit ihr über ihre Situation ins Gespräch kommen.

Denn für mich gilt: nicht lamentieren, sondern machen.