Die SPD lud ein. Die Menschen kamen. Rund 80 Interessierte fanden sich am Freitagabend in Naunhof – im „Alten KranWerk“ – zum nunmehr 64. Küchentisch von Martin Dulig ein. Als Medienvertreter war das Muldental-TV vor Ort.

Wir Muldentaler Landtagskandidaten Ingo C. Runge (WK 25) und ich (WK 26) saßen ebenso am Küchentisch wie Franziska Mascheck vom Kulturgut Linda. Debattiert wurde quer durch alle Themenfelder. Neben den anstehenden Landtagswahlen, Pflege und mehr Inklusion an Schulen, brannte vor allem das Thema Verkehr den Gästen unter den Nägeln. Ob fehlende Busverbindungen am Wochenende, Ausweitung der S-Bahn, zu wenige Radwege oder Probleme an Autobahnen – die Fragen stießen nicht nur auf offene Ohren, sondern trafen auch die Forderungen, die wir als SPD in den Landtagswahlkampf thematisieren.

Martin Dulig: „In den ersten Jahren nach 1990 musste Geld in die Infrastruktur der Straßen gesteckt werden, da der Zustand katastrophal war. Aber man hat den Absprung verpasst, weil damals Politik nur aus der Sicht durch die Windschutzscheibe gemacht wurde. Wir haben da bereits umgesteuert!“ 

Wichtig ist mir, dass endlich ein Umdenken sichtbar wird, auch wenn wir in Sachsen noch weit davon entfernt sind, Mobilität für alle Verkehrsteilnehmer zu organisieren. Aber immerhin: Straßenneubau-Maßnahmen wurden unter dem SPD-geführten Wirtschaftsministerium reduziert, dafür über 500 Kilometer Radwege in Planung gegeben, ein Konzept für Radschnellwege aufgelegt, die Förderung für Radwegebau und Radstationen für Kommunen massiv erhöht. 


Auch das Thema Nahverkehr wollen wir als SPD in Zukunft anders angehen. Wir wollen eine Landesverkehrsgesellschaft, um das Kirchturmdenken der Landräte endlich zu brechen. Denn deren Willen für Verbesserung endet an ihren Kreisgrenzen.“ Sachsentakt, Sachsentarif, PlusBus-Netz, Bildungsticket – das sind die Themen, die mit einer Landesverkehrsgesellschaft umgesetzt werden sollen. Wir haben zum Glück gestern ein Azubiticket in Sachsen einführen können. Das ist gut, aber noch zu wenig. Das kostenlose Bildungsticket für Schülerinnen und Schüler muss kommen.

Auch Digitalisierung, Freifunknetze, schlechter Handyempfang wurde am Tisch debattiert. Am Tisch waren wir uns einig. Digitalisierung ist mehr als Breitbandausbau. Unser ganzes Leben wird davon beeinflusst – vom Privatleben bis zur Arbeit. Wir müssen dem abstrakten Begriff ‚Digitalisierung‘ einen Sinn geben. Dieser, so Martin Dulig, könne sein, dass jeder durch die Digitalisierung eine Stunde mehr Zeit am Tag gewinnt. Behördengänge könnten digital erledigt, das Auto digital angemeldet, die Steuererklärung könnte durch das Finanzamt vorgefertigt werden, … Diese Aufzählung ließe sich fortsetzen. Eine Stunde mehr Zeit – das wäre ein echter Gewinn.

Weiterhin spielte das Thema Löhne eine Rolle. Wir müssen hier an das Vergabegesetz ran. Es darf nicht sein, dass öffentliche Aufträge zu Dumpingpreisen vergeben werden. Die Löhne auf der Seite des Auftragnehmers sind entsprechend niedrig. Jeder sechste Sachse erhält aber Mindestlohn und damit später eine nicht ausreichende Rente. Wir müssen also Tarifland werden, damit endlich das Lohndumping in Sachsen aufhört. Und wir brauchen eine Grundrente, ohne Bedürftigkeitsprüfung – davon würden allein 240.000 Rentnerinnen und Rentner im Freistaat, die 35 Jahre hart gearbeitet und miserabel verdient haben, auch ihre eigene gerechte Rente erhalten. Ein Tischgast stellte zu Recht fest: „Ohne eine höhere Gewerkschaftsquote und ohne Bereitschaft der Arbeiter und Angestellten sich selbst zu engagieren, wird es aber keine Tarife wie im Westen geben. Keinem wird etwas geschenkt werden.“ Hier konnten wir den Bogen zur Bildung spannen. Wie Tarifbildung funktioniert, wie unsere Demokratie funktioniert, wie unser Staat funktioniert, wird zu knapp und viel zu theoretisch in unseren Schulen unterrichtet. Hier müssen wir ansetzen. Demokratische Bildung geschieht durch Erfahrungslernen vom Grundschulalter an. Wenn Kinder und Jugendliche lernen, wie Beteiligung funktioniert, wie Beschlüsse zum Beispiel im Klassenrat oder Schülerparlament zustande kommen, dann ist Demokratie keine abstrakte Staatenlehre mehr, sondern kann gelebt werden. Ein Gast bilanzierte den Abend perfekt: „Es kann einfach nicht genug Küchentische geben!“ Ich sage, Politik kann bürgernah,  informativ und unterhaltsam sein. Dieser Abend hat es bewiesen.

Bericht vom Muldental-TV: https://muldentaltv.de/2019/08/06/sachsen-wir-muessen-reden-kuechentisch-mit-martin-dulig-macht-halt-in-naunhof/?fbclid=IwAR318bQTVpbv_eHTtcwREqaip-eySe99HqYKMkUY4Mxc75e3KqjaAPXz954