Heute habe ich einen bemerkenswerten Abend im Jugendhaus in Borsdorf in großer Runde mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen verbracht, die hier, in der Familie und bei Freunden, ihr Zuhause sehen und gerne bleiben wollen. Das nahe Leipzig mit einem guten ÖPNV macht das Leben in der Gemeinde auch für junge Leute attraktiv.

Und doch gibt es auch Schattenseiten: Nicht jeder findet Schule und Arbeit hier vor Ort. So müssen einige der jungen Leute regelmäßig zur Berufsschule nach Gelsenkirchen fahren, und andere sind auf Montage unter desaströsen Arbeitsbedingungen bundesweit unterwegs.

Jugendhaus Borsdorf

Sie wollen gerne bleiben – auch wenn Nazis auf dem Dorf Zwietracht und Angst verbreiten, auch wenn teils gar sexistische Lehrer*innen die jungen Leute schlecht reden und klein machen, auch wenn Arbeitsplätze knapp, schlecht bezahlt und unattraktiv sind. Unter solchen Bedingungen ist das Leben nicht einfach, und manche*r überlegt deswegen doch, unsere Gegend zu verlassen. Auch so scheinbar einfache Wünsche, wie einen Bolzplatz zu haben oder eine Wand zum Sprayen, kamen zur Sprache. Dafür werde ich im Gemeinderat aktiv werden, denn solche kleinen Wünsche sind wahrlich nicht unbescheiden.

Mein Fazit: Der ländliche Raum ist auch für junge Leute attraktiv. Dazu müssen aber Schulen und Ausbildungsstätten gut erreichbar sein. Es muss Orte geben, an denen sich junge Menschen untereinander oder generationenübergreifend treffen können. Es muss Möglichkeiten geben, Freizeit sinnvoll und abwechslungsreich zu verbringen. Und schließlich muss es ein stimmiges Angebot an Bus und Bahn geben, damit junge Menschen in der Region mobil sein können. Das klingt nach einer großen Aufgabe – aber wenn wir alle gemeinsam daran arbeiten, wenn wir uns zusammen für unsere Ortschaften und unsere Region stark machen, dann können wir viele kleine und manche großen Projekte angehen und dafür sorgen, dass unsere Dörfer auch in Zukunft attraktiv und lebendig sein werden.

Mein herzlicher Dank geht an die Leute vom Jugendhaus, allen voran Matthias Buchold und Sophie Koch für das inspirierende Gespräch.