Unterwegs im Muldental: Die Turnhalle von Altenhain

Wie versuchen engagierte Bürgerinnen und Bürger, Lösungen für ihre Probleme zu finden? Das will ich wissen, und darum fahre ich nach Altenhain. Denn mein Thema ist der Ländliche Raum, und da interessieren mich besonders die kleinen Ortschaften. Welche Fragen und Bedürfnisse haben die Menschen hier außerhalb der Mittelzentren?

Der Sportverein SG Blau Weiß Altenhain und der Ortschaftsrat Altenhain haben mich eingeladen, und im Vorfeld des Besuchs habe ich viel Gutes über eine lebendige Gemeinde mit vielen sozialen Aktivitäten gehört.

Welches Problem könnte es denn da geben? Ich treffe meine Gastgeber an der Turnhalle mitten im Ortskern, und gleich nach dem ersten Schritt in die Halle weißich, was hier Sorgen bereitet. Unter meinen Füßen wackelt das Parkett im Eingangsbereich. Ich erblicke altmodische Heizkörper und überdimensionale Heizungsrohre im Innenbereich. Die Turnhalle, so berichten die Altenhainer, wurde im Jahr 1962 errichtet und entging seither – bis auf kleine Schönheitsreparaturen – jedweder Sanierung oder Modernisierung.

Altenhain – Teich

Dabei könnte alles so super sein. Altenhain ist wunderbar idyllisch gelegen im südlichen Teil meines Wahlkreises. Auf dem Weg zur Turnhalle, die zentral im Ortskern in unmittelbarer Nachbarschaft zum Kindergarten und zur Feuerwehr liegt, zeigt sich Altenhain von seiner schönsten Seite. Die Turnhalle wird täglich über mehrere Stunden für den Vereinssport genutzt, von den Volleyballern und den Tischtennisspielern, von Gymnastikgruppen, dem Reha-Sport und im Winter sogar von den Fußballern. Die Halle ist aber auch Begegnungsstätte für Jung und Alt. Hier finden Veranstaltungen wie die Kaninchenausstellung, Versammlungen, Feiern der Feuerwehr oder zu Halloween statt. Geplant sind zukünftig auch LAN-Partys für die jungen Leute. Kurz gesagt: Diese Turnhalle ist der zentrale Ort für das Zusammenleben in Altenhain.

Da ist es klar, dass der Zustand der Turnhalle den Menschen in Altenhain Sorgen bereitet, zumal die intensive Nutzung der Halle natürlich Spuren hinterlässt. Eine Schließung der Halle wäre für das Miteinander in Altenhain eine Katastrophe.

Aber gibt es denn da keine Lösung? Nun, Ortschaftsrat und Verein haben bereits einige Anläufe unternommen zur Sanierung ihrer Halle. Zur Jahrtausendwende scheiterte ein erster Versuch an der Eingemeindung zu Trebsen. Die Grundschule gab es zu diesem Zeitpunkt bereits nicht mehr, so dass die Notwendigkeit fehlte, für den Schulsport eine Halle zu haben. Der zweite Versuch kam das große Hochwasser im Jahr 2002 in die Quere. Die Altenhainer verzichteten auf die Sanierung zugunsten der Hochwasseropfer. Vor drei Jahren gab es einen dritten Versuch: Ein Konzept zur Sanierung des Bodens wurde eingereicht, doch dann wurden weitere Notwendigkeiten wie Heizung, Fenster, Türen ausgemacht, und folglich wurde das Projekt für die Halle immer größer. Aus ursprünglich angedachten 25.000 € wurde fast 1 Million Euro. Als dann das gesamte Konzept endlich stand, waren die Fördertöpfe leer.

Was also kann man tun? Kann Politik helfen? Mein Standpunkt ist, Politik kann nicht nur, sie muss es auch. Denn genau dafür ist doch Politik da – um den Menschen zu helfen, um gewachsenes Miteinander zu sichern und eben auch dafür, die kleinen Ortschaften mit ihren großen Problemen zu unterstützen.

Wichtig ist, dass die kleinen Orte in ihrer Arbeit vernünftig unterstützt werden. Denn die Ortschaftsräte sind keine Bittsteller, sie sind vielmehr die Gremien, die die lokalen Gegebenheiten kennen und wissen, was in ihrem Ort wirklich gebraucht wird. Zur Unterstützung gehört für mich, dass die Ortschaftsräte umfassend beraten werden bei Anträgen und bei ihrer Arbeit vor Ort. Genauso müssen Informationen über Fördergelder und -möglichkeiten ohne Umwege schnell in den Orten ankommen. Und schließlich plädiere ich dafür, den Ortschaftsräten angemessene Haushaltsmittel zur eigenen ‚freien Verfügung‘ zu stellen, ohne dass dafür eine Begründung der sachlichen Spezialität gegenüber der Stadt nötig wird. Das würde manchen Verwaltungsaufwand ersparen und schnelle Hilfe bei kleinen Problemen möglich machen. Und mehr noch – das würde die Ortschaften stärken und attraktiver machen, und es wäre vor allem ein Signal an die Bürger, dass es lohnt, sich in die Politik vor Ort einzubringen.

Im Fall von Altenhain muss es nun aber zügig vorangehen. Ich werde mich kundigmachen, wie der Turnhalle und damit den Altenhainern schnell geholfen werden kann, und dann sehen wir gemeinsam weiter. Ich bleibe dran.