Die SPD hat vor kurzem ihr Konzept für eine Grundrente vorgestellt. Und seither wird darüber intensiv diskutiert. Für mich ist klar: Die Grundrente ist ein richtiger Weg zu mehr sozialer Gerechtigkeit.

Natürlich gibt es gute Argumente gegen eine Grundrente. Das sagen jedenfalls die, die dagegen sind. Da heißt es, die Grundrente wäre nicht finanzierbar. Natürlich müssen 5 Milliarden Euro finanziert werden. Aber wenn es offenbar möglich ist, die topverdienenden 10 Prozent der Bevölkerung durch die Aufhebung des Solidaritätszuschlags mit 10 Milliarden Euro zu beschenken – warum sollen dann 5 Milliarden für Rentner und Rentnerinnen mit zu niedrigen Renten nicht aufzubringen sein?

Und da wird die Zahnarzthelferin genannt, die ihren Chef geheiratet hat, und trotz hoher Altersbezüge ihres Gatten eine Grundrente beziehen könnte, weil es ja keine Bedürftigkeitsprüfung geben soll. Nun, wie viele Frauen wären es denn tatsächlich, die in diese Kategorie fallen? Eben – eine Handvoll vielleicht im Vergleich zu den vielen Frauen, die mit einer Rente unterhalb des Existenzminimums auskommen müssen. Und ist die Arbeit der Zahnarzthelferin plötzlich weniger wert, weil sie einen Zahnarzt geheiratet hat? Auch darüber sollte man nachdenken. Übrigens würde die Grundrente der gutbetuchten Zahnarztgattin bei der Steuererklärung des Gatten einbezogen werden, so dass darauf auch Steuern fällig werden. Das ist also kein Geschenk, im Gegensatz zu den 10 Milliarden Soli-Erlass für die Topverdiener.

Aber mir geht es nicht um solche herbeikonstruierten Einzelfälle. Nein, mir geht es um gut 239.000 Menschen in Sachsen und 4 Millionen in ganz Deutschland, die von der Grundrente profitieren können. Das sind Menschen, die ihr Leben langgearbeitet haben, die Familien gegründet und Kinder aufgezogen haben und ihren Beitrag geleistet haben für unser Land und unsere Wirtschaft. Diese Menschen haben ein Recht auf Respekt und Anerkennung ihrer Lebensleistung.

Wer das diesen Menschen nicht gewähren will, aber stattdessen diejenigen beschenken möchte, die ohnehin finanziell sorglos leben können, hat meiner Ansicht nach völlig falsche Wertvorstellungen und betreibt Lobbypolitik auf Kosten der Schwachen.

Seien wir ehrlich: Es geht unserem Land gut. Wir haben die enorme Aufgabe gemeistert, in Sachsen ein neues demokratisches System und eine gut funktionierende Marktwirtschaft aufzubauen. Und gerade die Menschen hier haben dafür auch hingenommen, geringere Löhne zu beziehen oder gar eine Weile ohne Arbeit zu sein. Da ist es erst recht beschämend, wenn diese Menschen, die ihren ganz persönlichen Beitrag für unser Land geleistet haben, imverdienten Ruhestand durch geringe Renten quasi noch bestraft werden. Das haben die Menschen in unserem Land nicht verdient.

Deshalb bin ich für die Grundrente. Ohne Wenn. Ohne Aber.