Meine Tour quer durchs Muldental führte mich in dieser Woche zur Arbeiterwohlfahrt Mulde-Collm e.V. Dort hatte ich Gelegenheit zu einem langen Gespräch mit dem Geschäftsführer, Herrn Daniel Schippan. Unser Hauptthema war der zunehmende Fachkräftemangel in den Kindertagesstätten im ländlichen Raum.

Die Nachfrage nach Kita-Plätzen ist sehr hoch, und Eltern möchten ihre Kinder auch in Zukunft ganztägig in der Kita betreuen lassen und wollen nicht, dass dieses Angebot eingeschränkt wird. Das liegt nicht nur daran, dass die ganztägige Kinderbetreuung ein üblicher Standard in unserer Region ist, sondern hängt auch damit zusammen, dass viele Eltern die Kita als frühe Chance für Bildung und soziale Entwicklung verstehen und wahrnehmen. Hinzu kommt allerdings auch, dass manche Eltern aus familiären, beruflichen oder wirtschaftlichen Gründen ihre Kinder ganztägig betreut haben müssen.

Natürlich wollen Eltern und Träger die Kinder täglich gut betreut wissen. Das bedeutet, dass mehr Stellen in den Einrichtungen geschaffen werden. Diese Stellen müssen aber auch durch die Kommunen und die freien Wohlfahrtsverbände mit entsprechendem Fachpersonal besetzt, denn die Träger sind in der Pflicht, dem Anspruch frühkindlicher Bildung gerecht zu werden.  

Der Qualitätsoffensive für gut ausgebildetes Personal in den Kindertagesstätten folgte für Sachsen eine Fachkräfteverordnung, die den Standard für pädagogische Fachkräfte sehr hoch ansetzt. Sogenannte Assistenzkräfte dürfen nur für unterstützende Tätigkeiten eingesetzt werden. Das ist prinzipiell gut und richtig, es führt in der Praxis aber dazu, dass Stellen offenbleiben, weil gut qualifiziertes Personal nicht zu finden ist. Perspektivisch könnte es sogar dazu kommen, wie jüngst in Berlin geschehen, dass Einrichtungen das Angebot zurückfahren oder ganz einstellen müssten. Dem gilt es vorzubeugen, vor allem auch, weil die Rentenwelle im KiTa-Bereich erst noch ins Rollen kommt.

Wirksam und ganz pragmatisch könnte es sein, wenn die sehr starre Fachkräfteverordnung dahingehend gelockert würde, dass sich auch über- oder unterqualifizierte Bewerber in den Kindertagesstätten bewerben können. Die Verantwortung für eine Einstellung könnte nach Prüfung des Einzelfalls beim Träger liegen, wobei dann aber eine berufsbegleitende Qualifizierung gewährleistet werden muss.

Diese grundsätzliche Öffnung für Personal unterschiedlicher Qualifikation käme den Kindereinrichtungen – und vor allem den dort betreuten Kindern – zu Gute. Die Träger könnten so den Fachkräftemangel kurzfristig wirksam ausgleichen und weiterhin eine gute, fachlich qualifizierte Betreuung anbieten, und die Eltern wüssten ihre Kinder gut aufgehoben.

Deswegen werden in Zukunft Quereinsteigerprogramme und teaminterne Bildungstage in den Kitas von größerer Bedeutung sein. Mir ist es gleichermaßen wichtig, dass die modernen Qualitätsstandards für frühkindliche Bildung eingehalten werden und gleichzeitig allen Eltern die Möglichkeit offensteht, ihre Kinder in guten Kindertagesstätten betreuen und bilden zu lassen.  

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